Moderation – Wie geht das?

Gerade schaue ich die Tagesthemen und wenn man in dem Zusammenhang von Moderation spricht, denkt man natürlich an eloquente, schick gekleidete, ja ModeratorInnen (Hallo Herr Kleber :)) die höchst professionell und kaum merkbar Texte vorlesen und interessante Interviews führen.

Vielleicht denkt man aber auch an die Teamsitzung im Büro am letzten Montag. Alle saßen mit halb geschlossenen Augen und wenigen Lebenszeichen in der Runde. Eine Grille zirpte. Der Chef hielt mal wieder einen Monolog zum Thema XY. Moderation ist für ihn eben nur ein anderes Wort für „jetzt rede ich“.

Wir kennen wahrscheinlich viele solcher Beispiele. Moderation ist offensichtlich ein vieldeutiges Wort.

Da hilft auch der Blick in den Duden nicht wirklich, denn der kennt tatsächlich nur eine Form der Moderation:

mo|de|rie|ren > (eine Sendung) durch einführende Worte und verbindende Kommentare in ihrem Ablauf betreuen (zum Dudeneintrag)

Bei Wikipedia findet sich dann interessanterweise eine andere Definition:

Moderation ist eine Methode zur gemeinsamen Arbeit in Gruppen, unterstützt durch einen Moderator. Das Ziel ist, mit allen Gruppenmitgliedern einen gemeinsamen Lernprozess zu gestalten. Das Beherrschen von Moderationsmethoden gehört zum Standardrepertoire jedes Gruppentrainers. Moderationsmethoden werden beispielsweise in der Organisationsentwicklung, in Seminaren und Konferenzen, Kongressen und Tagungen, in Besprechungen und im Projekt- und Qualitätsmanagement, in Schulen, in der Pädagogik und in der Erwachsenenbildung eingesetzt.“ (zum Wikipediaartikel)

Die Wenigsten von uns moderieren ja Fernsehsendungen oder Veranstaltungen (Letzteres kann ich 🙂 – hier gibt es mehr darüber zu lesen) das ist tatsächlich eine ganz besondere Form der Moderation. Teamsitzungen oder Gesprächsrunden moderiert man vielleicht eher schonmal (im Job, als ElternvertreterIn, im Ehrenamt…).
Ich habe mir einmal Gedanken gemacht, was für eine erfolgreiche, produktive, gut moderierte Teamsitzung wichtig ist, denn ein großer Teil meines Arbeitsalltages sind nun einmal Teamsitzungen (mit meinem Team oder als Visual Facilitator in Workshops oder eben als Veranstaltungsmoderatorin).

Was ist also zu tun?

1. Einen Plan haben

Irgendwie alt, aber logisch. Eine Tagesordnung hilft allen sich auf die Sitzung vorzubereiten. Die Möglichkeit eigene Themen einzubringen sollte immer gegeben werden.

2. Zuhören

Ich persönlich finde Zuhören ist die Wichtigste und am meisten unterschätzte Kompetenz einer Moderatorin oder eines Moderators. Sich zurücknehmen, den Prozess oder die Diskussion steuern aber nicht beeinflussen ist

3. Die Teilnehmenden wahrnehmen

Zuhören geht einher mit dem Wahrnehmen der Teilnehmenden. Wie ist die Stimmung insgesamt und bei den Einzelnen. Wer beteiligt sich und wer nicht? Warum wird dort in der Ecke getuschelt? Wer fehlt? In der Themenzentrierten Interaktion, einem Konzept zur Arbeit in Gruppen, sagt man „Störungen haben Vorrang“. Das bedeutet, wenn dort hinten in der Ecke lautstark getuschelt wird, kann man das als Moderation auch einmal adressieren und nachfragen was los ist. Manche „Störungen“ lösen sich nicht auf wenn man sie ignoriert, sondern werden eher größer.

4. Ergebnisse sichern

Hier kommen wir natürlich zum Thema Visualisieren. 🙂 Es ist immer gut, das Besprochene für alle sichtbar festzuhalten, entweder auf dem Flipchart oder vielleicht ganz geeky mit dem Tablet und dem Beamer. Wenn Äußerungen der Teilnehmenden festgehalten werden, ist das ersten eine Wertschätzung des Gesagten und zweitens wird der (Denk-)Prozess sichtbar und Zusammenhänge werden klar. Wenn das dann nicht mit kleinen Zeichnungen für deutlich gemacht wird – um so besser, denn dann erinnern sich alle auch noch in zwei Wochen an das Besprochene 🙂

5. Vereinbarungen treffen

Zum Schluss sollte man auch Vereinbarungen treffen und die nächsten Schritte festhalten. Wer macht was, wann? Wer ist zuständig? Wo muss weitergedacht werden? Wenn man konkrete „To Dos“ festhält ist für alle Teilnehmenden des Meetings  ein Ergebnis sichtbar und alle haben das Gefühl, dass man „wirklich was geschafft hat“. So will man doch aus einem Meeting gehen, oder?

Und nun? MAKE IT HAPPEN!